Über das Bloggen, das Kommentieren und die Wertschätzung für den Blogbeitrag des anderen

Seit einiger Zeit kommentiere ich wieder mehr Beiträge anderer Blogger. Nicht selten sind meine Kommentare relativ lang. Das Ausmaß eines Kommentars wird dabei bestimmt von dem, was ich sagen will und auch, wie sicher ich gehen möchte, dass man meine Zeilen nicht missversteht. Natürlich spielt die Komplexität des Themas ebenfalls eine große Rolle. Ich stosse bei den Blogbetreibern nicht selten auf Erstaunen. Sie wundern sich über Jemanden, der es nicht bei einem kurzen, beinahe schlagwortartigen Kommentar belassen will.

Wieso macht der Typ es nicht unter fünf Sätzen?

Die Antwort auf die Frage ist simpel. Ich versuche mich exakt auszudrücken und möchte genau herausarbeiten, um was es mir geht. Dass ich dazu neige, nicht per eigenem Beitrag auf dem eigenen Blog zu antworten hat mit der Veränderung der Blogszene zu tun, die seit einiger Zeit im Gange ist. Man diskutiert zusehends weniger über die Grenzen eines Blogs hinweg, obwohl es doch Werkzeuge gäbe, die das Thema verbinden. Das Stichwort hierzu heisst: Trackback. Leider habe ich in den letzten Monaten aber mehr und mehr festgestellt, dass Antwortbeiträge zwar oft nur einen Klick weit entfernt sind, dass sich aber viele Leser und auch viele Autoren nicht mehr die Mühe machen sich Trackbacks anzusehen und Blogdiskussionen zu verfolgen bzw. diese weiter zu führen. Ich habe also schlicht auf eine Entwicklung reagiert, die ich zwar bedauere, die ich aber gleichzeitig ja nicht alleine umkehren kann. Das «Social» am Web ist eindeutig auf dem Rückzug. Da, wo sich noch vor einiger Zeit Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen zusammengefunden haben, um ein Thema aus vollkommen verschiedenen Richtungen zu analysieren, haben sich dieselben Menschen heute meist wieder in ihre Gehege zurückgezogen. Das ist aus meiner Sicht natürlich schade.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb ich gerne auch ausführlicher kommentiere. Das Schreiben eines Statements bzw. einer Antwort auf den Beitrag eines Autoren soll dem Autoren zeigen, dass ich ihn schätze und das ich mich gerne mit seinem Gedanken, Gefühlen oder Themen auseinandersetze. Schließlich hat da doch alles angefangen im «Mitmach Netz». Oder?

Posterous. Ein Zwischenbericht

Ich war in Sachen Posterous spät dran und das hatte Gründe. Als ich anfing, via Posterous zu bloggen, habe ich an sich schon sehr sehr wenig gebloggt. Zudem wusste ich nicht genau, wohin mich die Reise in Sachen Bloggen & Co. führen würde. Kurz gesagt, ich war misstrauisch, ob es sinnvoll sein würde, noch eine Baustelle aufzumachen, um die an sich schon wenigen Inhalte ohne Not zu streuen. Schlussendlich hat aber die Neugierde gesiegt und ich begann, via Posterous zu bloggen.

Meine Posterous Geschichte

Ich war schon nach kurzer Zeit begeistert, weil das Bloggen an sich unendlich einfach war. Der Weg zwischen dem Gedanken im Kopf und dem veröffentlichten Artikel war aberwitzig kurz. Sogar ganze Bilder-Reihen konnte man auf simple Art und Weise veröffentlichen. Ich schrieb schnell und für meine Verhältnisse viel. Alles lief prima und ich habe sogar überlegt, ob ich mein normales Blog nicht schliessen soll. Posterous schaffte es sogar, meiner Community wieder etwas näher zu kommen. Posterous war und ist beinahe so direkt wie Twitter in der frühen Phase. Leise Zweifel meldeten sich aber schon nach kurzer Zeit erneut zu Wort: Wie ist mit den veröffentlichten Bildern? Kann ich da weiter bestimmen, was mit ihnen geschehen soll und was nicht? Was ist mit meinen Texten? Es ist nicht so, dass ich sie für unendlich wertvoll halte und auf meinem klassischen Blog habe ich die Texte ja auch unter CC-Lizenz veröffentlicht. Nur: Halten sich Leute daran oder klauen sie einfach Sachen, ohne das ich das überhaupt merke? Also, nochmal: Mir geht es nicht um Geld, mir geht es vor allem darum, dass meine Texte und Bilder nicht für Dinge verwandt werden, die mir nicht Recht sind. Der Aspekt des relativ direkten Kontaktes zur Community war und ist in Posterous aber tatsächlich bis heute immer noch vorhanden.

Mein vorläufiges Fazit

Wo man bei Twitter auf Listen ausgelagert wird oder über andere Wahrnehmungsschwellen klettern muss, um zu seinen Leuten überhaupt noch vorzudringen, bietet Posterous einen recht kurzen »Dienstweg« an. Das bleibt ein Pluspunkt. Dennoch werde ich meinen Posterous Account ersteinmal nicht mehr aktiv weiter nutzen. Ich will meine Schriften und Bilder hier auf meinem eigenen Blog, selbst gehostet, ins Netz stellen. Ich bestimme die Optik, ich bestimme auch alle anderen Parameter im Zusammenhang mit den Inhalten. Es ist einfach »Meins«. Über die letzten Monate habe ich vielen Diensten den Rücken gekehrt. Ich will mein Tun konzentrieren und nicht auf unendlich vielen Plattformen immer nur ein bisschen tun. Und Posterous ist eben auch nur eine weitere Plattform. Ich jage und sammele bei Weitem nicht soviel und brauche daher auch keine ausgeklügelte Logistik für das Sammeln und das Verteilen von Inhalten, Links und Gedöns. Wer andere Ansprüche hat, dem kann Posterous sicher eine extrem effektive und sogar auch noch sympathische Plattform sein. Posterous war und ist ein toller Service. Ich brauche ihn halt derzeit einfach nicht.