Zukunft wird überbewertet. Momentaufnahmen aus dem Bundestagswahlkampf 2009

Ich sitze am Rechner, lese brav meine Feeds und beginne schon nach wenigen Minuten, mich zu ärgern. Egal, ob es das blinde Draufhauen des bürgerlichen Lagers auf eine Klientel ist, die der CDU fremd ist und bleibt oder ob es die Regierung insgesamt ist, die selbst kleinste mögliche Fortschritte in Sachen Umwelt- und Forschungspolitik munter ausbremst, während gleichzeitig Milliarden Suventionen an Industrien vergeben werden, die nachhaltig gestrig argumentieren und einen ökologischeren Umgang mit Resourcen blockiert, wo das nur irgend machbar ist. Ach ja: Neben diesen Zeugnissen einer Steinzeit-Politik finden sich heuer nicht selten Artikel, in denen (schon wieder) das hohe Lied vom Markt gesungen wird, der sich selber reguliert und natürlich kommen kaum zwei Sätze später auch die Forderungen, Sozialausgaben doch mehr zu begrenzen, weil das die steuerliche Belastung von Arbeitgebern nach oben treiben würde.

Soviel Neo-Darwinismus ist an einem Montag Morgen tatsächlich nur schwer zu ertragen. Gab es da nicht mal Gründe für die aktuelle Krise auf dem Arbeitsmarkt, die etwas mit unregulierten (Finanz)Märkten zu tun hatte? Wollte man nicht Maßnahmen ergreifen, um derartig negative Auswüchse zukünftig zu vermeiden oder zumindest einzudämmen? Wieso flattert mir dann aber in diesen Tagen immer wieder Werbung ins Haus, die teilweise genau die Finanzprodukte bewirbt, die uns erst kürzlich in die wahrscheinlich tiefste Finanz- und Wirtschaftskrise gestürzt haben, die es jemals in der Neuzeit gegeben hat? Was sagt jetzt gleich nochmal Angela Merkel dazu? Nix? Ach ja, stimmt. Da darf man ja nichts dran machen, denn man würde die eigene Wählerschaft »irritieren«. Und sowas geht ja gar nicht.