KW 21: Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Zwischen Lena Meyer-Landrut, Google Buzz und Top Kill

Eine neue Woche, die Gedanken wandern zu neuen und zu aktuellen Themen. Die Katastrophe um die abgebrannte und versunkene Ölplattform im Golf von Mexiko und die scheinbar unaufhörlich sprudelnde Öl-Quelle machen überdeutlich, dass wir viel zu oft im Leben Dinge akzeptieren, mit denen wir eigentlich gar nicht wirklich umgehen können. Nicht nur bei der Atomkraft ist dies so. Auch das Fördern von Öl nehmen wir normalerweise stillschweigend hin, weil wir alle abhängig sind davon, dass wir für unsere Leben Zugriff haben auf quasi unendlich vorhandene Energie. Wir sind sauer auf BP, dabei müssten wir stattdessen auf uns selber sauer sein. Wir haben noch immer nicht begriffen, dass neues Denken in Bezug auf glaubwürdigen Umweltschutz und Nachhaltigkeit zuallererst etwas zu tun hat mit dem Ändern unserer eigenen Gewohnheiten. Verzicht ist dabei das entscheidende Schlagwort.

Lena is all around

Und dann war da noch dieses 19jährige Fräulein Wunder aus Hannover. Sie hat geschafft, woran wohl nur die größten Optimisten geglaubt haben. Sie gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest und verzaubert dabei, quasi nebenbei, Europa. Gleichzeitig zeigt sie, dass tatsächlich alles geht, wenn man sich einem Thema ausreichend unverkrampft nähert und andererseits diszipliniert, fokussiert und unaufgeregt daran arbeitet, dieses Ziel zu erreichen. Wir sollten alle ein wenig (mehr) Lena sein. Natürlich gab es auch noch mehr Themen: Siehe bitte das Banner oben.

Neuigkeiten von der Insel: Übertriebene Überwachung soll in England demnächst der Vergangenheit angehören

Es gibt Momente, da bin ich neidisch. Gerade heute morgen war es wieder soweit. Ich las einen Bericht über die ersten Schritte der neuen englischen Regierung, die sich aus den konservativen Tories und Liberaldemokraten zusammensetzt. Erste Duftmarken werden gesetzt. Man will in England auf dem Gebiet der Überwachung der Bürger und bei der Vorratsdatenspeicherung eine Kehrtwende vollziehen und will das übertriebene Überwachen der Bürger schlicht komplett (weg)lassen. Als Deutscher lese ich von solchen Vorhaben, nehme wahr, dass diese neue Politik ausgerechnet von Konservativen umgesetzt wird und ich ertappe mich dabei, dass ich ein klein wenig neidisch bin. Hierzulande muss man sich vielerorts noch mit Vorurteilen herumschlagen, die auf sachlich vollkommen falschen Annahmen basieren. Leider habe ich nicht den Eindruck, dass meine jeweiligen Gegenüber lernen wollen. Man will da einfach sein Ding durchsetzen. Bürgerrechte? Grundrechte? Was ist das schon ..

Vorratsdatenspeicherung? Nein, Danke!

Dass die englischen Tories so strikt gegen das Ausspähen der eigenen Bürger sind, hat eine gewisse Tradition. Ursprünglich entstammt dieses Verhalten sogar eher einer Anti-Haltung gegen die gerade abgewählte Politik Toni Blairs bzw. Gordon Browns. Da hat sich offenbar etwas verselbstständigt, denn die Partei David Camerons hat schnell realisiert, dass man mit dieser neuen Haltung innerhalb der Bevölkerung punkten kann. Die Englänger wollen sich auch außenpolitisch und im Kampf gegen den Terror wieder mehr von den Amerikanern emanzipieren. Man will nicht länger der Pudel der amerikanischen Administration sein. Da kommen also viele Dinge zusammen und münden in Positionen, die man an sich nicht unbedingt mit konservativen Haltungen in Zusammenhang bringen würde.

England modern?

Ich finde gut, wenn Menschen, Parteien oder Bewegungen die Kraft haben, ungewöhnliche Positionen einzunehmen. Gerade wenn sich zeigt, dass alte Antworten nicht mehr zielführend sind, ist die Fähigkeit sich zu bewegen aus meiner Sicht ein Zeichen von Kraft und Selbstbewusstsein. Ich bin gespannt, welche Impulse von der neuen englischen Regierung noch ausgehen werden. Ich bleibe vorsichtig abwartend, da ich eigentlich von Leuten, die teilweise noch Ziehkinder von Margaret Thatcher waren, nicht allzuviel Positives erwarte.