»Aber um die Zerstörung der Erde wirklich zu stoppen, müsste der Mensch aufhören, nach Profit und Fortschritt zu streben«

„Gerade las ich auf ZEIT Online einen Artikel aus der Rubrik Karriere/Beruf. Der Artikel erzählt die Geschichte einer Umweltaktivistin, die für den WWF arbeitet. Die Autorin gibt eine Aussage der Aktivistin wie folgt wieder:

Aber um die Zerstörung der Erde wirklich zu stoppen, müsste der Mensch aufhören, nach Profit und Fortschritt zu streben. Meint sie wirklich, dass der Mensch zu so großen Schritten der Veränderung bereit ist? Dass der Kern ihrer Botschaft ankommt? »Eigentlich nicht.«

Ich horche auf, wenn ich lese, dass wir aufhören müssen, nach Profit und Fortschritt zu streben. Beim Begriff des Profit bin ich sofort einer Meinung. Wenn ich aber an den Begriff Fortschritt denke, so möchte ich der WWF-Mitarbeiterin unwillkürlich ins Wort fallen und möchte nachfragen, ob wir also wirklich aufhören sollten, fortschrittlich zu sein? Vielleicht kann man an diesem Ausspruch aber auch feststellen, wie sehr sich die (Be)deutung des Begriffes Fortschritt verändert hat. Es gab eine Zeit, in der dieser Begriff bzw. der dahinter stehende Inhalt von allen Menschen als etwas Positives angesehen wurde. Seit einiger Zeit hat sich das verändert. Es gilt schon als Fortschritt, wenn eine Firma ihren Umsatz steigern konnte und vor allem mehr Gewinn macht. Dass bei der Erreichung solcher (angeblich positiver) Ziele immer öfter Menschen auf der Strecke bleiben, hat auf lange Sicht folgerichtig Einfluß darauf, welche Bedeutung man Begriffen zubilligt. Ich finde, wir alle sollten wieder mehr darauf achten, welchen Fortschritt wir wollen, denn an sich ist Fortschritt doch etwas Positives. Wir sollten uns diesen Begriff und die positive Utopie, die dahinter steht, nicht von Menschen und Organisationen wegnehmen lassen, die anderes im Sinn haben bzw. die gar nicht bis zuende bedenken, welche Folgen ihr Tun auf lange Sicht hat.

Bundestagswahlen 2009: (M)Ein emotionales Fazit. Quo vadis SPD?

Der gestrige Wahlsonntag hat mich einiges gelehrt. Die historische Niederlage der SPD hinterlässt mich zumindest kurzfristig in trüber Stimmung und auch durchaus ein wenig mutlos. Ich werde während der kommenden vier Jahre viel zu oft das Gefühl haben, dass wir Zeit verlieren, dass eine Umverteilung (von Steuergeldern) von unten nach oben vonstatten geht und das wichtige Themenfelder überhaupt nicht beackert werden. Seit gestern weiss ich aber auch, dass meine Bindung an die SPD doch noch viel stärker ist, als ich mir dies vorher eingestehen wollte. Das hatte ich nach diversen Enttäuschungen der letzten Monate und Jahre so nicht erwartet.

Die deutsche Sozialdemokratie hat von den Menschen den Auftrag erhalten, sich neu zu finden und aufzustellen. Sie muss wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, muss wieder Positionen vertreten, die es Arbeitern erlaubt, ihrer SPD wieder zu vertrauen. Darüber hinaus glaube ich, dass die SPD dringend daran arbeiten sollte, auch wieder Meinungsführer bei Zukunftsthemen zu werden. Das alles geht aus meiner Sicht aber nur mit glaubwürdigem Personal. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass man nun das gesamte bisherige Führungspersonal in die Wüste jagen sollte. Frank-Walter Steinmeier ist sicher kein schlechter Kandidat für den frei gewordenen Posten des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Franz Müntefering erkennt in diesen Tagen sicher selber, dass seine Zeit als SPD-Vorsitzender allmählich zu ende geht. Er sollte meiner Meinung nach die Aufarbeitung der verlorenen Wahl samt Fehleranalyse moderieren. Übrigens wäre es fatal, wenn man ihn jetzt alleine zum Sündenbock machen würde. Das offene Eingestehen von Fehlern in der Vergangenheit würde ein aufrichtiger Anfang sein. Die SPD muss sich im Verlauf der kommenden Wochen auch überlegen, von wem sie sich zukünftig führen lassen will. Einen herausragenden Wunschkandidaten gibt es dabei aus meiner Sicht derzeit nicht. Eine neue Generation sollte mehr Verantwortung übernehmen. Thorsten Schäfer-Gümbel leistet nach desaströsen Zeiten in Hessen derzeit bemerkenswerte Aufbauarbeit. Auch die Bundespartei könnte sich an seinem Stil durchaus was abgucken. Es gibt gutes Personal in der zweiten und dritten Reihe. Es sind dies Gründungsjahre. In dieser Situation sollte man einen nachhaltigen Neuanfang wagen. Man sollte sich dafür aber auch wirklich genug Zeit nehmen und überlegen, welche Themen die Ur-Themen der SPD sind und sollte auf dem Boden dieser Themen erstmal wieder langsam an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Glückauf!

Gerade entdeckt: (Tobias) Schlegl sucht die Wahrheit

Tobias Schlegl, der umtriebige Moderator des Satire-Magazins Extra 3 wird Vater und nimmt diese epochale Veränderung in seinem Leben zum Anlass, um sein Leben zu verändern. Schließlich soll es »der kleine Schlegl« (O-Ton des großen Schlegl über den kleinen Schlegl) mal besser haben. Tobias zieht also los und versucht, Antworten auf dringliche Fragen der Zeit zu bekommen. Er erkundigt sich nach erneuerbaren Energien, versucht zu klären, ob alles gut ist, wenn auf unseren Lebensmitteln »Bio« drauf steht und begegnet auf seiner Reise einer Menge Menschen und Meinungen. Für die Suche nach einer lebenswerten Zukunft hat der NDR Tobias Schlegl insgesamt 90 Minuten Sendezeit gegeben. Die Dokumentation ist in zwei appetitliche, 45 Minuten lange, Sendungen zerteilt worden, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

Und was hab ich davon, mir das anzugucken?

In der Dokumentation werden wirklich viele große Themen angesprochen und obwohl 90 Minuten Sendezeit viel erscheint, können natürlich in dieser Zeit keine endgültigen Antworten gegeben werden. Man erhält aber durchaus Denkanstöße und immer wieder deutet Toby Schlegl mögliche Antwortansätze an. Da wir alle Individuen sind, muss schlussendlich ohnehin jedermann und jedefrau am Ende eigene Antworten finden.

Fazit

Mich haben die beiden Sendungen in einer Lebensphase angetroffen, in der ich mich mit ziemlich vielen Zweifeln herumschlage. Mitten im Bundestagswahlkampf verliere ich ob der Antwortansätze der Parteien manchmal den Mut. Genau an dieser Stelle kann man die Dokumentation aber auch als Anfangspunkt sehen. Schlegl sagt: Man kann was tun. Man muss einfach nur anfangen. Klaro, das klingt nach einer Binsenweisheit und doch macht es Mut, Dinge einfach ganz konkret anzugehen. Diskutiert ist lange genug worden.

Nachfolgend findet ihr den Link in Richtung der Sendungen. Sie befinden sich auf den Seiten des NDR. Übrigens: In solchen Momenten wird mir bewusst, dass ich sehr gerne Gebühren zahle für ein öffentlich rechtliches Fernsehsystem. Aber, ab zu den Links:

    Schlegl sucht die Wahrheit, Teil 1
    Schlegl sucht die Wahrheit, Teil 2

Viel Spaß beim Anschauen. Es lohnt sich sehr!